Gopro Fusion: Test / review

Stand / topical state: 26. November 2017

Gopro Fusion - Wieso, weshalb, warum?

360-Grad-Video ist zum großen Thema geworden. "VR" soll es in den nächsten Jahren irgendwie reißen. - Galt es noch vor ein paar Jahren als sehr aufwändig, so etwas halbwegs vernünftig aufzuzeichnen, liefern moderne Prozesortechnik, Speichermedien und immer bessere Software jetzt Lösungen, die schon gute Ergebnisse liefern.

Mir persönlich geht es aber nicht primär um die Erstellung von 360°-Videos, sondern um die von Gopro herausgestellte Möglichkeit des "Reframings" - was meines Erachtens in nächster Zeit auch die hauptsächliche Anwendung in (semi-)professionellen Segmenten sein wird.

Vom Kameramann zum Editor ...

"Reframing" - das bedeutet tatsächlich: ich nehme erstmal alles auf und suche mir später das beste raus. Und zwar mit sämtlichen Freiheiten, denn es lassen sich Schwenks, Zooms und harte Schnitte mit komplett neuen Bildinhalten generieren. - Das ging auch im Ansatz schon mit 4k-Material, aber ein Zoom oder Schwenk hat eine andere Anmutung als das Reframing, da bei letzterem optische Verzerrungen generiert werden, die für eine Art von "Lebendigkeit" und mehr Dynamik sorgen. - Das Ganze hat natürlich Grenzen, da man nicht sehr weit in ein solches Bild hineinzoomen kann (und hier machen dann tatsächlich auch noch Auflösungen von 8 oder 12k richtig Sinn), aber der technische Stand der Fusion - sie erzeugt ein äquirektanguläres 5,2k-Bild (4992 x 2496 Pixel) - liefert, auch durch das nahezu perfekte Stitching, durchaus brauchbares Material.

Von der Theorie zur Praxis: 

Am 16. November wurde die vorbestellte Gopro Fusion superfrisch geliefert. Da ich vorher schon Speicherkarten kaufen wollte, über die Dateigröße der Fusion-Videos aber auch gar nichts im Netz fand, schrieb ich den Support von Gopro an, – Der Mitarbeiter musste nachfragen, was in der Aussage resultierte, wenn man die Akkulaufzeit ausnutzen möchte, sei man mit 2 x 64GB gut bedient. - Aha... - Geht's genauer? - Antwort des Gopro-Mitarbeiters: "Leider haben wir keine genaue Angaben darüber."

- Aha?!

Aufnahmezeit

So trudelte die Fusion ein und es ging an ein paar grundlegende Tests.
Aufgepasstt, GoPro: einfach zwei SD-Karten in eine Eurer neuen Kameras stecken, anschalten und staunend das Display beobachten::

  • 2 x 64GB, 5,2k/25fps [PAL], Protune Off: 2h 30min
  • 2 x 64GB, 5,2k/25fps [PAL], Protune on: 1h 57min (interesting!)

Protune … übrigens: es gibt keinerlei Möglichkeit, den Weißabgleich manuell einzustellen… hm … Wird da ständig automatisch rumreguliert? Bitte Gopro: im Idealfall sollte man die Kelvinzahl in moderaten Schritten einstellen können. Sicherlich kein Riesenproblem.

Der Akku soll so um die 70min durchhalten. Ich nahm bisher nur eine Performance von 47min auf, was problemlos funktionierte. Überhitzung trat nicht auf. Es scheint möglich zu sein, die Kamera ohne eingesetzten Akku via USB-C-Strom versorgen zu können, was für längere Aufnahmen mit fest installierter Kamera eine akkuschonende Alternative darstellen könnte. Ich werde das noch testen.

Software

Momentan (Ende November 2017) unterstützt die Android-Gopro-App die Fusion nicht. Auf einem Ipad4 wird die Kamera gelistet, man kann sie aber nicht verbinden. Ich befürchte, dass es unter IOS11 gehen könnte, aber davon ist das IPad4 ausgeschlossen.

So gibt es für mich gerade nur die Windows-Software Gopro-Fusion 1.0 (Win10), um die Kamera ansteuern zu können, was sich aber auch nur auf das Auslesen und Rendern der aufgenommenen Clips beschränkt. Die Fusion wird via USB erkannt und zwei Laufwerke werden angezeigt. In der Software lassen sich Clips auswählen, Bereiche aus ihnen markieren und in einen Order der eigenen Wahl transkodieren ("rendern"). Dabei stehen für die maximale Auflösung "5,2k" zwei Geschmacksrichtungen zur Auswahl: Cineform oder Prores422

Eine Minute aufgenommenes Material benötigt ca. 2 x 325MB Kartenplatz – das Rendering in das Cineform-Format erzeugt eine finale Datei von 3,22GB Größe - als Prores entstehen sogar 4,9GB. Recht fett!

Obgleich die Clips zuerst von der Kamera runtergeladen werden, muss diese während des Renderings mit dem PC verbunden bleiben, anderenfalls wird der Render-Prozess abgebrochen. Irgendwie doof, Gopro.

Abgesehen von ein paar kleinen Testaufnahmen fand der erste Praxistest bei einer 45-minütigen Performance statt. - Das Rendern des 47min dauerenden Videos - Cineform-Codec war angewählt (Voreinstellung der Software) - endete mit einem System-Crash. Die CPU-Auslastung lag bei100% - eigentlich OK - aber die Speichernutzung ebenfalls (64GB!), wobei die Fusion-Software nur 13% belegte ... - Eventuell ein Speicher-Bug? ... - Das Ganze endete mit einem Bluescreen ...

Im zweiten Anlauf klappte es. Man beachte: es entstehen wirklich große Dateien! - Zuerst fügt die Software die 4GB-Einzelteile von Front- und Back-Kamera zusammen. Die resultierenden Clips werden dann zu einem 360°-Videofile gestitcht. - Glücklicherweise ist es möglich, per In- und Out-Markierungen auch nur Ausschnitte einer Aufnahme zu rendern - das kann einem bei solchen Monsterdateien schnell mal ein paar Gigabytes an Plattenplatz sparen (in meinem Fall hatte ich die Kamera ein paar Minuten vor Beginn der Performance starten müssen).

Rendering … Processor & GPU …

Je nach verwendetem System traten erhebliche Unterschiede bezüglich der Renderzeit auf: mein Notebook - ein flottes Gigabyte Aero X15 (i7-7700HQ / GTX1070) brauchte für einen einminütigen Clip sage und schreibe 40min, was meine Freude etwas dämpfte ...

Aber eine Lösung tat sich auf: fälschlicherweise war dem Fusion Studio die Intel-HD-Grafikkarte zugewiesen worden. Per Rechtsklick auf das Desktop-Icon des Programms (->Mit Grafikprozessor ausführen->Standardmäßigen Grafikprozessoor ändern) ließ sich das ändern und es dauerte nur noch 10min30sek. 
Dasselbe File nudelte jedoch daraufhin mein PC (i7.../GTX980Ti) in ca. 6min30sek durch!

Hier scheint die Fusion-Software noch nicht sauber die Möglichkeiten des jeweiligen Systems zu erkennen.

Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Das Stitching ist sehr gut (man merkt, dass Kolor - die Entwickler von Autopano - ihr Know-How haben einfließen lassen) und auch die Plug-Ins für das Reframing in Premiere Pro/After Effects laufen stabil - auch beim Schnittbetrieb auf dem Notebook. , also with the notebook. Das Rendern nach HD geht ebenfalls flott.

ABER:
Toll, die Fusion kann Fotos machen ... im RAW-Format!
... nur stitchen kann man sie momentan noch nicht ...
Und da sind wir wieder bei Kolor. Bitte macht, dass Autopano diese RAWs erkennt!

Vorläufiges Fazit: 

Die Fusion ist eine revolutionäre Kamera und könnte das schaffen, was Gopro vor Jahren schon einmal mit der Kamera gelang, die einer ganzen Geräteklasse - die der Actioncams - den Namen gab - eben "Gopro". - Im Medienbetrieb wird diese Art der Aufzeichnung mit Sicherheit Einzug halten, ermöglicht es doch gerade den Einzelkämpfern, den VJs, mit wenig Aufwand eine größtmögliche Rohmaterialernte zu erzielen. - Man kann ja zur Not auch mehrere Kameras positionieren :-)

Was den "richtigen" 360°-Film angeht: das ist noch ein großes gestalterisches und konzeptionelles Experimentierfeld, dessen Möglichkeiten erst noch erforscht werden müssen. - Auf jeden Fall spannend!

On the 16th of november I got the brandnew preordered GoPro Fusion.
I wrote to the GoPro support to get informations about the recording-time per gigabyte to buy the right storage cards in advance – But the support wrote: we have no informations about this. – OK???

Recording time

So the Fusion arrived and I did some basic tests.
Listen, GoPro: take one of your new cameras, put two micro-sd-cards into it and watch the display:

  • 2 x 64GB, 5,2k/25fps [PAL], Protune Off: 2h 30min
  • 2 x 64GB, 5,2k/25fps [PAL], Protune on: 1h 57min (interesting!)

Protune ... by the way: there is NO possibility to set the white balance manually ... hm ... So it's an automatic all the time ? Gopro, pease add the feature to set the light colour in Kelvin. Should be no problem, right?

The battery will last round about 70min. I did a concert with it - 47min - no problems, no overheating. It's possible to power the camera battryless via USB-C. - Probably the best solution for long stationary sessions because the battery will not suffer from the  heat. - I will check that soon.

Software

At this moment the GoPro-app for Android does not support the Fusion. On an Ipad there was an update which should recognize the Fusion ... - the camera appeared in the listing, but the connection failed. Maybe you need OS11, but this does not work with my Ipad 4 ...

So for me the one and only solution me was the Gopro Fusion Software (Win10) - and this does work. The PC recognized the Fusion - you will get two seperate drives - but I was not able to copy the data directly by drag-'n-drop. Via the Fusion software you can choose the files and convert ("render")  them to a directory of your choice in two different flavours (5,2k): cineform or prores422.

One minute original material needs ca. 2 x 325MB of space onto the cards - the rendering to cineform (default) generates a final file of ca. 3,22GB. The same file as Prores422: 4,9GB.

The camera has to get connected due the rendering, otherwise the software stops the rendering (?). Maybe this could be fixed, GoPro.

My first real-world-test - a performance a few days ago with a length of 47min:
First rendering - to cineform-codec - did cause a system-crash. CPU was at 100% all the time - OK - but memory also ... 100% usage of 64GB and the Gopro-software was just listed with 13GB. Maybe a memory-leak ... - ended with blue screen ...

Second attempt did work. Remember: the final file will get very large. The software first merges the 4GB-parts of each camera to one single file and the resulting two files (front and back) will stitched together.

Fortunately the software allows to set in- and  out-point, so you do not have to render whole shots and you are able to take small parts or cut off the beginning (in my case  I had to start the camera before the beginning of the performance). This could save precious disk-space.

Rendering ... Processor & GPU ...

I noticed very huge differencies depending on te machine you are using to do the rendering:
My laptop - Gigabyte Aero X15 (i7-7700HQ / GTX1070) - needs for a one-minute-file approx. 40min!! - The same file on my desktop-PC was processed in approx. 4min!!! On the laptop the CPU-load was just around 20-30% - GPU: zero%, the PC used approx. 90% plus 40-90% of the GPU.

But I was able to change that. On a System with two graphic-adapter (Laptop) you have the possibility to define a Default graphic-card for each program (via Options over right-click to the Icon).

The result is really good - well stitched - and the plug-ins for reframing in Premiere Pro/After Effects do work well, also with the notebook. Rendering to HD is fast.

BUT:
Hey, the Fusion is able to make photos! In RAW!... but there is no way to stitch those pics ... MAN!

(First) conclusion

The Fusion is a revolutionary camera which will have a noticable impact in the media-business as the original GoPro did years before. Now there is need for working apps to have more control on location.